Brandheiß Meinungen Spiele

Langweilige Spiele ohne Ecken und Kanten

Computer-Spiele sind eine Kunstform. Dank der Freemium-Kultur wird diese Kunstform jedoch verramscht oder gleich ganz aufgelöst. Das ist schade; aber wir sollten nicht aufgeben

Was war das erste Computer-Spiel, das Sie richtig süchtig machte? Für den Kollegen war es GTA, für die Kollegin Day Of The Tentacle, für uns SimCity. Mit den Tablets und Smartphones in unserer Tasche können wir nun auch von unterwegs spielen, im Zug sitzen und uns den Diebestouren, dem Städtebau oder den Rätseln widmen.

Gute Spiele sind eine Kunstform für sich. Wie ein guter Film hat ein Spiel Ebenen, die uns ansprechen, uns fordern und einen Mehrwert haben. Es werden Geschichten erzählt und Erinnerungen geschaffen.

Und dann gibt es da noch die Freemium-Spiele, die ein und das selbe Spielprinzip immer wieder wiederholen. Das beste Beispiel dafür ist Candy Crush Saga, ein Match-3, dem man kaum entgehen kann. Es macht den Anschein, als ob es jeder spiele. Und weil Entwickler King damit Millionen im Monat macht, ist es kein Wunder, dass noch mehr Entwickler auf diesen Zug aufspringen. Denn die Erfahrung zeigt: Erfolgsrezepte lassen sich immer wieder anwenden, maximal ausschlachten – bis dann endlich  – nach viel zu langer Zeit – die Sättigung eintritt.

Mit Kunst und geschaffener Erinnerung hat das nicht mehr viel zu tun. Das Spielprinzip ist aalglatt und kantenlos wie ein zu gut produzierter Sommerhit. Die Geschichte belanglos: mal müssen Bonbons vor einem süßigkeitenfressenden Monster gerettet werden, dann Diamanten vor den bösen See-Räubern oder wie bei Kings Candy Crush Saga-Nachfolger Farm Heroes Saga die Sonne und das Wasser und das Obst vor… ja… vor was eigentlich?

Der Nutzer möchte kein Geld für Spiele ausgeben, sagt er. Er lässt sich dann jedoch im Verlauf der Level der ungezählten Freemium-Spiele von digitalen Männchen und Frauchen dazu überreden, mal hier und mal dort 0,89 Euro für Booster auszugeben oder aber den Firmen den Zugang zum Facebook-Profil zu gewähren – kostet ja kein Geld, nur die Daten.

Das ist schade, weil die Spiele, die eine Geschichte erzählen, einen durchaus künstlerischen Anspruch haben, immer mehr in die Ecke gedrängt werden: durch Ramsch-Spiele, die alle gleich aussehen, bei denen einfach nur Formen und Farben ausgetauscht werden und deren Spielprinzip kein bisschen variiert. Die meisten Freemium-Spiele sind wie der zehnte Aufguss der Geschichte vom Footballstar, der sich in das graue Mäuschen verliebt. Kann man immer wieder machen, zieht die Leute in die Kinos und die Taschentücher aus der Tasche; zurück bleibt aber das Gefühl, diese Geschichte doch schon zum zweiundzwanzigsten Mal gesehen zu haben.

Dass auch im Match-3-Genre kleine Kunstwerke geschaffen werden, zeigen Beispiele wie Dots oder BraveSmart, die dem Spielprinzip ihren eigenen Stempel aufdrücken, durch Grafik oder Gameplay für einen Aha-Moment sorgen.

Enden wird der Hype um all die Klone von Candy Crush Saga wohl vorerst nicht. Und es werden sicherlich auch die kommenden Monate immer mehr nachfolgen. Vielleicht versteckt sich ja die ein oder andere Ausnahme unter den Spielen, die uns das Gefühl gibt, dass es sie noch gibt: Spiele, die so außergewöhnlich sind, dass sie uns lange Freude machen und mit einer guten Geschichte und einer fabelhaften Spielidee überzeugen.

Geben Sie nicht auf, halten Sie die Augen offen. Wir tun es auch.

Titelbild: Candy Crush Saga

2 Kommentare zu “Langweilige Spiele ohne Ecken und Kanten

  1. Ich habe im Prinzip nichts gegen Freemium. Wenn man reelle Chancen hat, auch ohne In-App-Käufe weiter zu kommen. Es ist dann meine Entscheidung, ob ich die Geduld aufbringe, oder Geld ausgebe. Clumsy Ninja scheint mir bisher ein gutes Beispiel zu sein. Ich kann, muss aber nicht, im Gegenzug muss ich Geduld und Ausdauer mitbringen. Wie sich das im weiteren Verlauf entwickelt, weiß ich nicht. Zumindest bei Clumsy Ninja.

    Aber ihr habt in einem Punkt recht: Abklatsch eines erfolgreichen Spieles (das vielleicht sogar etwas kostet) und dann zum weiterkommen Kohle zu verlangen geht gar nicht. Deswegen sind schon einige (teilweise gute) Spiele vom iPhone geflogen. Genau wie Spiele, die um Likes bei FB, Folgen bei Twitter oder all zu nervig um Bewertungen betteln.

    Ihr führt Dots an, das mW auch kostenlos ist/war. Das Spiel ist fesselnd, macht Spaß und da würde ich dem Entwickler gerne was zukommen lassen.

    Das Freemium-Modell ist meiner Meinung nach ein Abklatsch von Demos. Damals. Als man noch ein, zwei Levels spielen konnte und dann überlegen ob man das Spiel kauft. Für Betrag X. Und alles hatte. Für Betrag X. Freemium setzt darauf auf. Nur das dann Betrag X + Y + Z etc. dazu kommt. Anstatt also eine Demo-/Free-Version anzubieten und den User entscheiden zu lassen, ob er die App kauft, wird auf das Freemium-Modell gesetzt. Und es scheint ja zu funktionieren.

    Meine Meinung ist, mit den In-App-Käufen hat Apple diesem Modell den Weg geebnet. Hätte Apple das nie angeboten, gebe es halt noch die guten alten Demos und die Entscheidung des Anwenders ob er die App kauft. Oder eben nicht.

  2. Guter Bericht das Spiel ist echt langweilig ich bin shuffel lp ein lets Player der minecraft spielt wird mich freuen über die Version für tablet Bewertung zu bekommen schreibt mal eure Kommentare über minecraft

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