BeautyPlus: Der Schönheitswahn hat eine App

1

Selten fiel es uns schwerer, eine App zu bewerten als BeautyPlus. Für uns bekam der Schönheitswahn plötzlich ein Gesicht – unseres. Und das alles nur aufgrund eines kleinen Wortes: Beautifying. Und schon wurde aus einem Test ein Kommentar.

Es gibt eine ganze Menge Foto-Apps im Store. Bevorzugt fotografiert der moderne Mensch ja sich selbst und das in passendsten und unpassendsten Momenten (die hier bei den Kollegen von Vice zu sehen sind). Und weil die meisten Menschen auf diesen Selfies genannten Bildern möglichst schick aussehen wollen, sind funktionierende Filter und Weichzeichner beliebter als Gratis-Kaffee bei Starbucks.

Zum Test steht bei uns BeautyPlus – The magical beauty camera, eine App, die Portraits nach eigenen Angaben „perfekt“ machen möchte und in Japan, Taiwan und Thailand angeblich das beliebteste Tool seiner Art ist.

Wir öffnen also die in rosa gehaltene App und dürfen wählen, ob wir ein Bild von uns hochladen oder direkt eines machen wollen. Wir entscheiden uns für ein Bild, das wir einst für die Kollegin zur Demonstration des kürzlich erworbenen Lippenstifts machten und laden es frohgemut und ohne jede Vorurteile gegenüber der App hoch.

… Allerdings…

Während das Bild hochgeladen und gleich bearbeitet wird, steht unten „beautifying“.

… Beautifying…

Wir sind 32 Jahre alt, wir haben rund 30 Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass Schönheit relativ ist, jeder Mensch aus Stärken und Schwächen besteht und diese eine eigene Schönheit schon okee ist. Aber während dort unten „beautifying“ steht, da kommen wir doch noch einmal ins Grübeln – zumal es so lange dauert. „Beautifying“ klingt nach „Es ist noch nicht Hopfen und Malz verloren, wir bekommen es mit der App schon hin, Dir einen Anstrich von ‚Beauty‘ zu geben“.

Puh.

Und dann, dann ist es soweit. Das Ergebnis: Wir haben keine einzige Pore mehr, aber okee, man kann auch ein wenig realistischer werden. Die App hat fünf Stufen der Porenvernichtung, voreingestellt ist Stufe 4. Wir gehen zurück auf 2. Wir klicken uns weiter durch die App, entdecken die Filter, die Namen wie „Fairy“, „Sweet“ und „Lolipop“ haben und uns noch mehr Weichzeichner mit auf die Reise zum Endergebnis geben.

Mit „Skin“ können wir unser Gesicht noch heller machen, mit „Acne“ Pickel retuschieren. So weit, so gut. Auch in der Redaktion möchte niemand Selfies mit dicken Pickeln auf der Stirn verbreiten.

Unter „Slimming“ sind wir dann jedoch in der Lage, unser Gesicht schmaler zu machen – und das finden wir schon bei Model-Bildern bedenklich. „Enlarger“ macht dann die Augen größer und „Brighten“ hellt unsere Augen auf. Das Ergebnis ist ein Mensch, der keine Ähnlichkeit mehr mit uns hat.

Als wäre all das nicht genug, bietet die App dann auch noch die Möglichkeit, Herzen und Glitzer auf dem Bild zu verteilen, das Foto zu speichern und über allerlei soziale Netzwerke zu teilen. Wir haben genug gesehen.

Es ist eine ambivalente Welt, in der wir leben. Auf der einen Seite gilt es als gesellschaftlich anerkanntes Ziel, jugendlichen so viel Selbstbewusstsein mitzugeben, dass sie nicht unrealistischen Zielen hinterherhechten. Auf der anderen Seite gibt es Apps, die das Verschwinden jeder Pore nicht mehr nur Fotografen von Beauty-Magazinen überlassen, sondern es jedem Menschen mit einem Smartphone ermöglichen. Wer sich über die Instagram-Filter echauffiert, wird im Angesicht von BeautyPlus vermutlich eskalieren.

Fazit

Sicherlich: Technisch ist an der App nichts auszusetzen und die Downloadzahlen zeigen, dass es offenbar einen Markt für diese Art von Tools gibt. Aber wir möchten langsam unseren Finger heben und fragen, ob wir das wirklich brauchen – oder ob Apps wie BeautyPlus nicht jedem Versuch in den Rücken fallen, den Menschen Selbstbewusstsein zu vermitteln.

Die App gibt es hier im Store.

[apptalkgallery] [datenblatt]
  • Name: BeautyPlus – The magical beauty camera
  • Preis: 1,79 Euro, zurzeit kostenlos
  • Hersteller: CommSource Technology Co., Ltd.
  • Sprachen: Englisch
  • Geräte: iPod touch, iPhone, iPad, ab iOS 5.0
  • Größe: 26,3 MB
  • Versionen: Kombi-Version für alle Geräte
  • Altersfreigabe: 4+
  • Getestete Version: 21. November 2013

[/datenblatt]

1 Kommentar

  1. Ganz abgesehen davon, dass ich mich nach einem kurzen Test weniger beautifiziert als vielmehr in einen cracksüchtigen Bergtroll verwandelt gefühlt habe, erinnert mich die App rudimentär an Kai Krauses geniale Programme „PowerGoo“ und „SuperGoo“.

    Toll wäre diese App, wenn ihre Nutzer_innen dadurch zu der Erkenntnis kämen, dass vermeintliche Schönheit, wie sie in den Medien präsentiert wird, vor allem auch das Resultat von Make-Up, Licht und diversen Arbeitsstunden Photoshopping ist.

Schreibe ein Kommentar