Gönnen muss man Können

Ulrike Bertus 27. Januar 2013 | 12:00 Uhr 1

Wissenschaftler haben herausgefunden: Facebook weckt in den Nutzern Neid und Missgunst. Dabei haben wir in ungezählten Yoga-Stunden doch gelernt, dass es Gefühle gibt, die verzichtbar und unnütz sind. Neid gehört dazu – und kann so schnell abgestellt werden. 

Die beste Freundin ist im Urlaub. Es sind ihre Flitterwochen. Thailand. Während bei uns vor dem Fenster Schneematsch von den Autoreifen die Radfahrer bespritzt, zeigt sie bei Facebook Bilder von Elefanten. Wie sie mit dem Mann und einem verlockenden Cocktail uns zuprostet, das Gesicht rot von der Sonne und einem breiten Lächeln im Gesicht. Wie sie durch den Wald läuft, umgeben von einem Grün, das es hier in Sachsen wohl nie geben wird.

Wissenschaftler aus Darmstadt und Berlin haben herausgefunden: Facebook fördert Neid. Weil wir dort die Fotos unserer “Freunde” sehen. Wie sie den Sieg im Stadion ihrer Mannschaft bejubeln. Wie sie am Strand liegen und die Füße tief in den Sand bohren. Vor Glitzer triefende Pärchenfotos. Wir sehen: Den Menschen geht es gut. Und doch reagiert ganz offensichtlich ein Großteil der Nutzer neidisch.

Neid ist ein verzichtbares Gefühl. Es ist in den meisten Fällen völlig unproduktiv, weil wir es nicht als Ansporn nehmen, selber Ziele zu erreichen, sondern uns von der Missgunst nach unten drücken lassen, die Kakerlake in der schönen Urlaubserinnerung der Anderen suchen.

Wer bei Facebook Neid verspürt, sobald er glückliche Menschen sieht, sollte einfach mal hinterfragen, warum er neidisch ist. Das wäre ein erster Schritt.

Ein zweiter Schritt wäre es, sich klarzumachen, dass kaum ein Mensch im Internet zugibt, dass es ihm gerade wirklich schlecht geht (außer bei Twitter; da gehört das zur Grundausstattung). Wer postete denn schon einmal ein Foto von sich, das ihn weinend unter der Dusche stehend zeigt? Verzweifelt auf dem Sofa, die 30 Jahre alte Kuscheldecke in der Hand, das Gesicht verquollen? Niemand. Oder zumindest: kaum einer. (Es gibt ja immer irgendwelche Ausreißer)

All die Posts und Einträge und Fotos sind nur Teil einer Realität, die wir selber gestalten. Wir zeigen nur einen Teil von uns. Den Teil, den wir auch zeigen möchten. Wer weiß denn schon, dass die neue Arbeitsstelle angetreten wird, weil im vorherigen Unternehmen Mobbing und Belästigung zum Alltag gehörten? Dass für den Urlaub in der Karibik zwei Jahre gespart wurde? Dass das Pärchenglück erst nach ungezählten durchweinten Nächten und Grenzen-überwinden möglich wurde? Die Geschichten erzählen die Fotos meist nicht.

Aus diesem Grund: Selber mal darüber nachdenken, wann man welche Bilder gezeigt hat. Und wie lange es dauerte, bis die schöne Geburtstagstorte so toll wie auf dem Foto aussah. Oder wie weh der Sonnenbrand tat, den wir auf dem Urlaubsfoto stolz präsentieren. Und dann einfach: Gönnen Können. Wir freuen uns mit der Freundin mit. So!

Bewerten und Empfehlen Sie diesen Artikel

(25 Bewertung(en), Durchschnitt: 4,92 von 5)
Loading ... Loading ...

Ihr Kommentar

Ein Kommentar »

  1. Kesro 27. Januar 2013 | 12:46 Uhr Antworten

    <3

Ihr Name (Pflichtfeld)

Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtfeld)

Name des Empfängers (Pflichtfeld)

E-Mail-Adresse des Empfängers (Pflichtfeld)

Ihre Nachricht (optional)